Gesundheitsfond wird teuer

#1 von Tommy , 18.09.2008 08:55

Also gestern hat sich bei mir dann auch die letzte Illusion zerschlagen, dass ich von meiner jetzigen Kasse (IKK-Direkt) die vollmundig versprochenen Rückzahlungen ab 2009 bekomme, wenn die Kassenbeiträge bei~ 16% liegen und die Kasse derzeit gerade mal 12,9% einnimmt. Das dürfte aber nicht nur mich betreffen, sondern viele Millionen Versicherte. Denn gestern wurde bekannt, dass die IKK Direkt mit der Techniker Krankenkasse zum 01.01.09 fusionieren will (ist nur noch eine Formalie, die TK wird zustimmen) und damit die größte Kasse Deutschlands (mit mehr als 7 Millionen Versicherten) entsteht. Der Hammer aber ist die Begründung. Man wolle damit für den Gesundheitsfond gut aufgestellt sein und....vermeiden, gleich ab Januar 2009 den Zusatzbeitrag von 1% nehmen zu müssen.

Ich glaub ich hör nicht richtig. Ich mein das was ich zuletzt über den Fond gelesen habe, hat mich schon auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und ich habe erst noch an Panikmache geglaubt. Da hatte ein Insider aus einer mittelgroßen Kasse prophezeit, dass nicht etwa die teuren AOKs den Zusatzbeitrag nehmen müssten um die Pleite abzuwenden, sondern die kleinen und günstigen Kassen. Grund....mit Einführung des Gesundheitsfonds lohnt es sich für Kassen viele schlechte Risiken zu haben, da die Zahlungen aus dem Fond entsprechend hoch sind. Kassen mit guten Risiken bekommen wenig, mit schlechten Risiken viel. Soweit so gut. Aber..offenbar sind die Zuweisungen für gute Risiken so gering, dass die günstigen Kassen nicht umhin kommen, gleich die 1% Zusatzbeitrag zu erheben, um überleben zu können, während teure Kassen wie AOK gut mit den satten Zuweisungen leben können. Einfach nur Wahnsinn. Der Insider meinte noch, ab Januar 2009 beginnt der Kampf um Alte, Kranke und Gebrechliche, weil die satt Kohle einbringen. Eine Umkehrung des bisherigen Prinzips und natürlich auch die Abschaffung des Wettbewerbs, denn viele kleine Kassen werden pleite gehen.

Ich mein die IKK Direkt hat über 800.000 Versicherte und muss fusionieren, um ihren Mitgliedern nicht an die 17% abknöpfen zu müssen. Was soll da mit BKKs werden, die bei 150.000 Versicherten rumhängen? Die werden alle noch 2009 verschwinden. Und ich schätze mal Ende 2009 gibt es nur noch 3-4 große Kassen für Alle, mit entsprechend hohen Beiträgen und einem abgeschafften Wettbewerb.

Einfach Wahnsinn. Und ich frage mich, warum ich ab Januar dann 50-60 Euro (!!!) mehr KV zahlen soll. Ich bin mal schon gespannt, was im Januar abgeht, wenn dann alle GKV Versicherten ihre Lohnzettel bekommen und zuerst an einen Abrechnungsfehler ihrer Lohnstelle glauben.


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#2 von Webmaster , 18.09.2008 22:49

Das was Du beschreibt hat schon eine gewisse Perversität. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass diese perverse Entwicklung nur mittelfristigen Charakter hat.
DENN: Wie Du schon schreibst, werden wohl viele kleine Krankenkassen finanziell ruiniert werden und in der Folge schliessen oder fusionieren.

Und mal ganz ehrlich: Ist das negativ? Es gibt über 300 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland, die im im Prinzip alle dasselbe anbieten: gesetzlich festgeschriebene Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB). Ist da eine so hohe Anzahl an Krankenkassen notwendig, wenn die Leistungen gesetzlich ohnehin geregelt sind? Ich meine, wenn am Ende nur 3-4 grosse Kassen für alle existieren, haben wir eine bessere Situation als heute!

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#3 von Tommy , 19.09.2008 10:56

Etwa 95% der Leistungen sind vorgeschrieben. Der Rest ist frei Schnauze. Ja..das ist nicht viel, kann aber im Einzelfall durchaus von Belang sein.

Wettbewerb gab es daher auch primär über den Beitrag, weniger über die Leistungen. Aber was ist daran schlecht, wenn ich zu einer kleinen Kasse mit 12,x% wechsel? Jedem Rentner steht es frei auch dahin zu wechseln, dann hätten sich die Beiträge auch irgendwann auf ein einheitliches Niveau reguliert. Da aber die schlechten Risiken ihre Kasse nicht gewechselt haben, die guten schon, hat man nun dem ganzen einen Riegel vorgeschoben und macht die kleinen Kassen im Grunde zu.

Mit dem Fond wird doch Gesundheit und Vorsorge bestraft. Das ist pervers. Kassen die ihren Mitgliedern Vorsorgeprogramme finanzieren und die dadurch gesünder sind, bekommen weniger Geld aus dem Fond und müssen den Zusatzbeitrag nehmen. Ja spinn ich?

Und jede Wette...nächstes Jahr wird die 1% Marke bzgl. Zusatzbeitrag politisch auf 2% angehoben, weils hinten und vorne nicht reicht. Dann geht es straff Richtung 18% Beitragssatz. Und nicht zu vergessen...die Arbeitgeber werden im kommenden Jahr schon jetzt mit bis zu 2 Milliarden Euro (!!) Euro mehr belastet, wenn Versicherte bei günstigen Kassen dann 3-4% (je 2% dann für AN + AG) pro Monat mehr zahlen müssen. Und das wo für die dt. Wirtschaft jetzt schon ein Abschwung prognostiziert wird. Da kommt das noch direkt dazu und wird sehr viele Arbeitsplätze vor allem im Mittelstand kosten.

Der Fond ist die Rückwärtsrolle zur Kassenöffnung, die vor vielen Jahren eingeführt wurde. Schon 2 Jahre später damals hat man die Kündigungsmöglichkeiten verschärft bzw. verschlechtert, was dazu führte, dass die Zahl der Wechsler zurückging. Begründung...die teuren Kassen verlieren zu viele gute Risiken. Ja toll. Und da das munter weiterging, hat man nun die Notbremse gezogen. Ein Witz.


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Gesundheitsfond wird teuer

#4 von Alan , 05.10.2008 13:39

Der Gesundheitsfond hat keines der Probleme gelöst, für dessen Lösung er vorgesehen war:
- steigende Kosten im Gesundheitswesen auffangen: Nein, lieber Beitrag hoch
- Altersentwicklung einberechnen: Fehlanzeige
- Entlastung der Arbeitnehmer: Nein
- Entlastung der Arbeitgeber: Nein
- mehr Geld für Krankenhäuser: Nein

Auf deutsch gesagt: alles Mist. Wissenden uns sehenden Augens wird beschlossen, was uns allen noch richtig teuer werden wird.

Gruß,

Alan

 
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