Der Freistellungsauftrag: wichtige Infos

#1 von Alan , 17.09.2007 22:41

Der Freistellungsauftrag- noch immer wissen viele nicht genau, was der Freistellungsauftrag (kurz FSA) eigentlich bewirkt, wann man ihn braucht, wie man ihn wieder kündigt usw. Die wichtigsten Fragen sollen möglichst verständlich beantwortet werden.


1. Warum gibt es den FSA und was bewirkt er?
Den FSA kann man sich als ein Steuergeschenk des Staates vorstellen. In Deutschland unterliegen Zinserträge grundsätzlich der Kapitalertragsteuer, welche 30% beträgt. Dass bedeutet, dass 30% der Zinserträge von dem jeweiligen Finanzinstitut, bei welchem man sein Geld angelegt hat, von diesem an das Finanzamt abgeführt werden. Die Folge: man erhält lediglich 70% des Zinsertrags ausgezahlt. Durch den FSA kann man das Abführen der 30% an den Staat verhindern, d.h. man bekommt 100% der Zinserträge auch wirklich ausgezahlt und das Finanzamt geht leer aus. Da es diese Möglichkeit jedoch nur für Zinserträge bis zu einer bestimmten Größenordnung gibt (dazu gleich), bekommt der Staat bei hohen Zinserträgen wiederum die 30% Kapitalertragsteuer und zwar unabhängig davon, ob ein FSA gestellt wurde oder nicht. Der Staat "gönnt" einem also bis zu einer bestimmten Summe die Zinserträge in voller Höhe; diese Summe nennt man Sparerfreibetrag.


Wie hoch ist mein Sparerfreibetrag?
Alleinstehende können 801 Euro (750 Euro Sparerfreibetrag plus 51 Euro Werbungskostenpauschale) Zinsen pa ohne Besteuerung einnehmen und Verheiratete 1602 Euro.


Wie bekomme ich den Sparerfreibetrag?
Der Sparerfreibetrag wird in der Höhe eingeräumt, wie sie auf dem FSA angegeben und beantragt wurde (bis zur Grenze von 801/1602 Euro). Dabei kann man als Anleger frei wählen:
a) wie hoch der Freibetrag für welches Konto sein soll
b) wie hoch der Freibetrag für alle Konten bei einer Bank sein soll.

Alle in den jeweiligen FSA angegebenen Freibeträge zusammen dürfen die Grenze von 801 bzw 1602 Euro jedoch nicht überschreiten!


Wie bekomme ich einen FSA?
Den FSA bekommt man bei der Bank, bei welcher man sein Konto hat. Oftmals wird man bei der Neueröffnung eines Kontos auch gefragt, ob man gleich den FSA mitbeantragen will.


Wann endet ein FSA?
Bei der beantragung eines FSA kann man den Zeitraum wählen, in welchem dieser gültig sein soll. Üblicherweise ist der FSA daher nach ihrer Wahl gültig:
a) bis zum Ende des Kalenderjahrs
b) bis sie den Auftrag wiederrufen oder ändern
c) für einen von Ihnen frei gewählten Zeitraum


Endet ein FSA mit der Auflösung des Kontos?
Grundsätzlich muss man sich den FSA vom Konto losgelöst vorstellen. Daher hat die Auflösung eines Kontos noch nicht zwingend zur Folge, dass auch der FSA endet. Für diesen Fall haben die Banken in ihren AGB unterschiedliche Lösungen gefunden, die üblicherweise so aussehen: entweder
a) der FSA endet mit der Kontoauflösung oder
b) der FSA endet zum Ende des Kalenderjahres oder
c) der FSA endet nicht.
Die Frage lässt sich daher nicht generell beantworten.


Darf der FSA etwas kosten?
Nein! Der FSA ist keine Leistung der Bank, sondern des Staates, weshalb die Banken dafür keine Gebühren verlangen.


Was soll ich tun, wenn meine Zinserträge über dem Sparerfreibetrag liegen?
Dann kann man mit dem FSA für die Zinserträge oberhalb des Sparerfreibetrages grundsätzlich nichts mehr bewirken. Eine Ausnahme gibt es jedoch: die Nichtveranlagungsbescheinigung (kurz NVB). Eine NVB kann man beim zuständigen Finanzamt beantragen, wenn:
a) die Zinseinkünfte über dem Sparerfreibetrag liegen
b) man lediglich ein so geringes Einkommen hat, dass man nicht der Einkommensteuer unterliegt (genaue Grenzen sind unterschiedlich, Richtwert: Einkommen unter 7.664 Euro/Jahr)

Erfüllt man diese und eventuelle (individuelle) weitere Anforderungen, kann man steuerfrei wesentlich höhere Zinserträge als FSA erhalten.


Was soll ich tun, wenn ich noch eine unbeantwortete Frage zum FSA, der NVB oder dem Sparerfreibetrag habe?
In diesem Fall sind Sie herzlich eingeladen, ihre Frage hier im Forum zu stellen!

Viele Grüße,

Alan

 
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#2 von alf100 , 28.03.2008 11:29

Was soll ich tun, wenn meine Zinserträge über dem Sparerfreibetrag liegen? Diese Antwort bedarf der Ergänzung:

Auch wer Zinsabzüge über dem Sparerfreibetrag hatte, sollte sich seinen persönlichen Steuersatz berechnen. In der Regel liegen die meisten "Arbeitnehmer" in ihrem persönlichen Steuersatz unter 30 %. D.h. alles was über dem persönlichen Steuersatz abgezogen wurde, wird bei der Einkommenssteuererklärung vom Finanzamt zurückerstattet bzw. auf die zu zahlende Einkommenssteuer angerechnet.

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#3 von Alan , 28.03.2008 20:20

Das ist ein guter Hinweis, alf100. In der Tat kann man unter den von dir beschriebenen Umständen einen Teil des Zinsabschlags zurückerhalten. Bei der Erklärung oben ging es mir in erster Linie nur um die Möglichkeiten, welche sich mit einem FSA ergeben.

Viele Grüße,

Alan

 
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#4 von MaHa ( gelöscht ) , 30.01.2009 19:16

Eine Frage wenn ich jetzt zum Beispiel ein Konto bei der Deutschen Bank habe habe dort auf dem FSA angegeben 801 Euro ich bin ledig ! Habe aber nur mal als Beispiel auf dem Konto nur 300Euro ....

Jetzt bekomm ich die jährliche Abrechnung von meinem Bausparvertrag was gebe ich dann dort an da werde ich ja auch gefragt wie Hoch der FSA sein soll ?

danke mal im Vorraus für Antworten

MaHa

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#5 von Tommy , 02.02.2009 07:17

Dann musst Du den FSA aufteilen. Also die 801 Euro auf 2 Konten verteilen (nicht 2x801 Euro freistellen). Das erfordert etwas Rechenarbeit, um den FSA so aufzuteilen, dass jeweils keine Steuer fällig wird, wenn die Zinsen aus beiden Konten zusammen 801 Euro nicht übersteigen.


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#6 von MaHa ( gelöscht ) , 10.02.2009 18:53

Ok danke dann werde ich das machen wollt mich nur nochmal vergewissern ob das auch geht.

dankeschön

MaHa

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#7 von Flashy , 08.03.2009 11:06

Ich hätte auch noch eine Frage und zwar: Zu welchem Zeitpunkt muß der Freistellungsauftrag vorliegen?

Bsp. Wenn ich im März 2008 Festgeld angelegt habe das ein Jahr später ausläuft und somit erst die Zinserträge im März 2009 erhalte. Muß dann der FSA zum Zeitpunkt der Auszahlung bestehen, oder entsprechend anteilig also 3/4 der Summe in 2008 und 1/4 in 2009 freigstellt sein?


Viele Grüße

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#8 von Tommy , 09.03.2009 08:19

Es gilt der FSA + Betrag, in welchem Jahr die Zinsen ausgeschüttet werden.

Wenn Du also im März 2008 Festgeld für 1 Jahr angelegt hast und unterstellt, das ist die einzige Anlage, machst Du für 2009, dem Jahr der Zinsauszahlung, den FSA in voller Höhe von 801/1602 Euro.

Allerdings gibt es manchmal Fristen für die Bearbeitung des Auftrages. Die Crediteurope verlangt bspw. dass man mind. 4 Wochen vor Fälligkeit der Zinsen den FSA einreicht, damit der mit der Zinszahlung noch verrechnet werden kann. Bei anderen Banken geht das aber nicht nur viel schneller, sondern man kann das sozusagen direkt vor Ort sofort ändern.

Sollte der FSA nicht rechtzeitig vorliegen, ist das insoweit unschädlich, als dass dann zwar - sofern man unter dem Freibetrag liegt - Zinssteuer in Höhe von mind. 25% abgezogen wird, die man sich dann aber mit der Steuererklärung zurückholen kann. Nur dauert das erstmal eine Weile, bis man das Geld für 2009 zurückbekommt.


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#9 von Flashy , 10.03.2009 19:09

Hallo Tommy,
vielen Dank schonmal für deine Antwort.

Verstehe ich das richtig, dass ich Zinsen, die eigentlich im Jahr 2008 angefallen sind dann quasi in 2009 verschiebe?
Das wäre doch insoweit unklug, da ich dann im Jahre 2009 keine weiteren Einkünfte mehr freistellen könnte.

Bsp.:
Festgeld am 05.01.08 angelegt, Laufzeit 1 Jahr.
Die Zinsen werden am 05.01.09 ausgezahlt. Also muß ich quasi für das Jahr 2009 801 Euro freistellen, oder?
Was ist wenn ich am 06.01.09 das Geld auf ein Tagesgeldkonto einzahlen möchte, das vierteljährlich die Zinsen ausschüttet? -> In diesem Fall hätte ich gar keinen Restfreibetrag mehr.

Ich hoffe du verstehst worauf ich hinaus will?

Vielen Dank.
Flashy

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#10 von Tommy , 11.03.2009 07:54

Du musst unterscheiden zwischen dem Maximum des Freistellbaren (801 Euro) und den tatsächlichen Zinseinkünften. Ich vermute worauf Du hinauswillst...

Wenn Du aus der Festgeldanlage am 05.01.2009 exakt 801 Euro an Zinsen bekommen würdest, bist Du für 2009 leider durch, sprich...auf weitere Zinseinkünfte (bspw. wenn Du die Ausschüttung gleich als Tagesgeld mit monatlicher Verzinsung anlegst) wird ab dem 1. Euro leider Zinssteuer fällig, da deine 801 Euro für 2009 ausgeschöpft sind.

Bekommst Du aber nun aus der Festgeldanlage bspw. nur 500 Euro Zinsen, hast Du noch 301 Euro Zinsen steuerfrei für weitere Ausschüttungen. Sollte dein Freibetrag bei der Festgeldanlage auf 801 Euro festgelegt sein, heißt das nicht, dass Du damit keine weiteren Freibeträge hast, wenn wie im Beispiel nur 500 Euro Zinsen reingekommen sind.

Du guckst in dem Fall, was Du für Zinsen aus der Festgeldanlage hattest (bspw. 500 Euro) und machst für das Tagesgeld dann einen Freistellungsauftrag über 301 Euro. Dann ist alles in Butter. Der FSA für das Festgeld ist mehr oder minder abgelaufen mit der Ausschüttung bzw. nicht mehr relevant, wenn keine Neuanlage dort erfolgt.

Wenn Du mit mind. 2 Konten hantierst, musst Du mit dem Freistellungsauftrag etwas aufpassen. Du kannst ihn so oft aufteilen wie Du willst, nur darf insgesamt nicht mehr wie 801 Euro freigestellt werden. Du könntest also auch 10 Konten mit je 80,10 Euro freistellen. Je mehr Konten man hat, desto mehr Rechenarbeit wird es aber. Was Du nicht machen darfst ist, einfach pauschal auf alle Konten 801 Euro freistellen, weil bequem und dann später mal gucken, was an Zinsen rumgekommen ist. Das wäre bei Zinseinkünften oberhalb von 801 Euro Steuerhinterziehung. Ausserdem musst Du im Freistellungsauftrag auch erklären, dass er mit anderen Freistellungsaufträgen zusammen die 801 Euro nicht übersteigt. Auch hier würdest Du dich einer Lüge strafbar machen.

Ich hantiere zwar auch mit 2-3 Konten, aber bei mir ist es so. dass ich auf einem Konto den Freibetrag "leider" schon ausschöpfe und daher keine Probleme mit Rechenarbeit habe. Ich stelle auf dem Konto, das mind. 801 Euro abwirft 100% frei und alle weiteren Konten laufen dann leider ohne Freistellungsauftrag.

P.S. Das Eingangsposting müsste noch angepasst werden. Seit 01.01.2009 beträgt die Abschlagssteuer 25% + Soli + Kirchensteuer.


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#11 von Flashy , 11.03.2009 19:06

Besten Dank für deine Ausführungen. Du hast sozusagen Licht ins Dunkele gebracht ;-)

Dann werde ich mir Gedanken machen müssen, wie ich jetzt "steueroptimiert" anlege. Einerseits möchte ich Festgeld anlegen, da die Zinsen in absehbarer Zeit wohl fallen werden, andererseits will ich schauen dass ich unter dem Freibetrag bleibe.

Ich werde wohl jetzt einiges an Festgeld für 1 J. anlegen - die Zinszahlung erfolgt dann zwar (steuerungünstig) Anfang nächstes Jahr, aber vielleicht reicht mir auch dann der Restfreibetrag, wenn es im nächten Jahr nur noch max. 2 % Zinsen gibt

Viele Grüße
Flashy

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#12 von Tommy , 12.03.2009 07:29

Ich würde heute wenn man das Geld nicht dringend braucht, für mind. 2 Jahre und mind. 4% oder mehr anlegen, um der Krise zu trotzen. Auch in 2010 rechne ich weiter mit Finanzmarktproblemen. Die EZB sinniert mittlerweile über eine 0% (Leitzins) Strategie. Dann sind die Zinsen für Tages-und Festgeld endgültig im Eimer, wenn dann noch einer mehr wie 2% bietet, kannste froh sein.


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RE: Der Freistellungsauftrag: wichtige Infos

#13 von Angie , 21.07.2009 12:56

Hallo,

weiß jemand von euch wie hoch der Freistellungsauftrag bei Alleinerziehenden ist? So wie bei Alleinstehenden oder gibts da besondere Vergünstigungen?

Danke für eure Tipps.

Gruß, Angie

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RE: Der Freistellungsauftrag: wichtige Infos

#14 von Alan , 31.07.2009 18:18

Hallo Angie,

wüsste nicht, dass es da einen Unterschied gibt. Vergünstigungen für Alleinstehende oder Alleinerziehende gibt es meines Wissens nach nicht. Da interessiert nur: ledig oder verheiratet.

Gruß,

Alan

 
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