Geldanlage generell

#1 von Tobias , 04.01.2004 14:16

Hallo,

als "Unwissender" möchte ich mal die "Profis" von euch fragen, wie ihr euer Geld kurzfristig (1-7 Jahre) anlegt. Nachdem ich nun etliche Finanz-Test-Zeitschriften konsumiert habe, muss ich gestehen, dass ich trotzdem noch keinen richtigen Durchblick habe.
Zunächst werde ich mich wohl um ein Tagesgeldkonto bei der CC-Bank bemühen, obwohl ich das Angebot der Citibank bzgl. eines Girokontos mit 2.75% verzinsung + kostenloser Visa Gold Karte bei 2500€ Mindesteinlage auch sehr attraktiv finde. Allerdings muss man da mal eben 2500€ anlegen, sprich: man ist etwas unflexibler... mal sehen...

Aber wie ist das denn mit dem kurzfristigen Anlegen generell? Ich möchte über ein paar Jahre hinweg z.B. das Geld für ein evtl. neues Auto irgendwie separat anlegen. D.h. so nach 3-4 Jahren sollte ich im Worst-Case Zugriff auf das Geld haben. Kennt ihr gute und sichere Anlagemöglichkeiten? Ich habe z.B. bei der CC-Bank gesehen, dass die 4% über eine 4 Jährige Laufzeit anbieten... Ich kann die Qualität dieses Angebotes aber überhaupt nicht einschätzen... Sind 4% bei 4 Jahren gut oder schlecht? Was sind so die üblichen Zinssätze?

Ansonsten: Obwohl ich momentan einen relativ sicheren Job (als Informatiker) habe, würde mich generell mal interessieren, was passiert, wenn man mal arbeitslos wird... Bei der Altersvorsorge wird man ja momentan dafür belohnt, wenn man seine ganzen Ersparnisse verprasselt, da ansonsten temporär kein Anspruch auf Sozialhilfe besteht...
Wie ist das denn, wenn ich z.B. für 12 Jahre irgendwie Geld anlege und arbeitslos werde? Gibt es da Anlagemöglichkeiten auf die der Staat keine Zugriffsmöglichkeiten, ähnlich wie bei der Riester-Rente, hat?

Danke!


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Geldanlage generell

#2 von Webmaster , 04.01.2004 21:06

Hallo Tobias !

Die Zeitschrift Finanztest stellt in ihren Ausgaben regelmäßig Zinsübersichten zur Verfügung (Festgeld, Termingeld, aber auch Tagesgeld). Leider sind diese nicht immer vollständig, sodass diese bestenfalls als Orientierungshilfe dienen können. Um eine Übersicht über die aktuelle Zinslage zu erhalten, ist die Lektüre dieser Zeitschrift jedoch sicherlich ausreichend und empfehlenswert.

Als "alter Hase" auf dem Gebiet Tagesgeld kann ich Dir folgende Tipps geben: Du solltest ein Tagesgeldkonto bei einer Bank eröffnen, die sich durch Ihre langfristig ausgerichtete Produktpolitik auszeichnet. So nützt die alleinige Eröffnung eines hochverzinsten Tages- oder Girokonto nichts, wenn nach kurzer Zeit (z.B. 3 Monate) der Zinssatz auf ein unterdurchschnittlich niedriges Niveau gesenkt wird. Solche Angebote (Lockvogelangebote) sollte man nur dann wahrnehmen, wenn man über ein gut verzinstes Alternativprodukt (z.B. Tagesgeldkonten) bei einem anderen Anbieter verfügt. In diesem Fall kann man sein Geld jederzeit von dem Lockvogelangebot abziehen, und auf sein bestehendes, sowieso attraktiv verzinstes Konto, überweisen.
Es ist also an dieser Stelle festzuhalten, dass Flexibilität eine ganz wichtige Voraussetzung ist: Einerseits muss der Anleger flexibel genug sein, das Vermögen stets auf das bestverzinste Konto zu verschieben. Andererseits muss das Anlageprodukt auch diese Flexibilität zulassen: Ein Tagesgeldkonto ist hierfür ideal - i.d.R. kostenfrei, täglich verfügbar und stets kündbar. Ein Girokonto dagegen weist diese Flexibilität i.d.R. nicht auf, da es meistens einen regelmäßigen Gehaltseingang voraussetzt oder eine Mindestanlage verlangt. Meistens fallen auch Kontoführungsgebühren an. Ebenso versuchen viele Anbieter, das Produkt Girokonto mit einem weiteren Produkt zu koppeln (z.B. Kreditkarte --> Kundenbindung). Nicht zuletzt wird ein Girokonto auch durch seine Zahlungsfunktion unflexibel: Wer ein Girokonto besitzt, macht i.d.R. auch von der Zahlungsfunktion Gebrauch. Dadurch wird die Kontonummer nach außen getragen (z.B. Arbeitgeber,Lastschriftfunktion etc.). Wenn man nun das Girokonto aufgeben möchte, weil die anfangs hohen Zinsen schlichtweg gestrichen wurden (die meisten Girokonten werden mit 0 % verzinst), hat man sich die gesamte Arbeit eines Girokontowechsels aufgeladen (Mitteilung der neuen Girokontonummer an Arbeitgeber und andere Institutionen etc.).
Ich empfehle daher, ein Girokonto niemals aus anlagetechnischen Motiven zu eröffnen.

In der Zinsübersicht von tagesgeldkonto.de hat sich die DiBa, die Finansbank und die Garantibank sowie die Demir Halk Bank durch langfristig hohe Zinsen auf Tagesgeld ausgezeichnet. Ich empfehle, mindestens ein Tagesgeldkonto bei einem dieser Anbieter; besser noch zwei Konten bei zwei unterschiedlichen Anbietern, zu eröffnen.
Optimal ist es natürlich, ein Tagesgeldkonto OHNE Mindestanlage zu eröffnen, d.h.: Selbst wenn nur 1,- EUR angelegt ist, wird dieser Euro mit einem hohen Zinssatz verzinst. Erst durch das Merkmal OHNE Mindestanlage verfügt der Anleger über die Flexibilität, sein Kapital jederzeit vollständig verschieben und somit zum best möglichen Zinssatz anlegen zu können. Da Finansbank, Garantibank und Demir Halk Bank nicht der deutschen Einlagensicherung unterliegen, sollte man den Anlagebetrag auf den durch die niederländische Einlagensicherung geschützten Betrag begrenzen (zur Zeit: 20.000 EUR). Mehr Infos hierzu unter dem Menüpunkt "Einlagensicherung" unter www.tagesgeldkonto.de .

Zum Thema Festgeld ist folgendes zu sagen:
Es ist sicherlich nicht ratsam, sein Vermögen auf lange Zeit fest anzulegen (z.B. 10 Jahre), da man auf der einen Seite die Zinsentwicklung nicht vorhersehen kann (Zinssteigung?), die wirtschaftliche Entwicklung nicht abzuschätzen vermag (Inflation?), auf der anderen Seite aber auch seine persönlichen Lebensumstände (erhöhte Ausgaben, Erwerb von Immobilien, Arbeitslosigkeit?) niemals auf einen solangen Zeitraum planen kann.
Wenn man sich mit dem Thema Festgeld beschäftigt, so sollte man sich maximal auf eine Anlagedauer von 5 Jahren beschränken.
Die meisten Anbieter (Diba, Finansbank etc.) richten Ihre Produkte entsprechend aus (z.B. Extra Zinswachstum ). Vor Abschluss eines solchen Kontos sollte man jedoch vor allem die Zinsdifferenz Festgeld zu Tagesgeld prüfen:
Festgeld sollte auf jeden Fall deutlich mehr Zinsen als Tagesgeld bieten! In einer Hochzinsphase war in der Vergangenheit zu beobachten, dass Tagesgeld gleich oder manchmal sogar besser verzinst wird als Festgeld (Beispiel: 1998, first-e, französische Internetbank, Tagesgeld mit 6 % Zinsen, Festgeldzins ca. 4-5%), in Zinsniedrigphasen wie zur Zeit kann sich dagegen ein Festgeldkonto (Beispiel: Diba, 2,5 % Tagesgeld; Finansbank: 4,25 % Festgeld) lohnen.
Am wichtigsten ist es jedoch, seine persönlichen finanziellen Verhältnisse abzuklopfen: Auf 5 Jahre sollte man grds. nur das Kapital anlegen, auf welches man in Zukunft getrost verzichten kann. Im Notfall kann man zwar auch an das als Festgeld angelegte Kapital rankommen. Dies ist jedoch grds. mit Kosten verbunden (z.B. 0,25 % Zins pro Quartal, der für die Restanlagedauer im Falle einer Kündigung der Festgeldanlage zu entrichten ist). In Notfällen (z.B. Tod oder Immobilienerwerb zu Eigenzwecken) kann man das Festgeld bei eingen Anbietern auch kostenfrei kündigen (z.B. Finansbank). Hier lohnt ein Blick in die Geschäftsbedingungen für Festgeld des jeweiligen Anbieters. Dort sind die Notfälle exakt definiert und auch der "Strafzins" für eine Kündigung des Festgeldes während der Anlagedauer (z.B. 0,25 % pro Quartal) ist dort definiert.
Wir halten also fest: Festgeld kann eine gute und vor allem sichere Anlageform sein; es kann jedoch mangels Flexibilität immer nur eine Beimischung sein.

Interessant ist bei Abschluss eines Festgeldkontos auch die Frage, ob die Zinsen wiederangelegt werden (Zinseszins) oder ob die Zinserträge einem Verrechnungskonto gutgeschrieben werden.

Sollte man sich einmal für ein Festgeldkonto entschieden haben, ist die rechtzeitige Kündigung selbigens von elementarer Bedeutung.
Viele Anbieter legen in ihren AGBs eine Klausel fest, nach der der Anlagebetrag bei Ablauf der Anlage automatisch zum dann jeweils gültigen Zins wiederangelegt wird - und zwar zur selben Anlagedauer wie zuvor auch. Der Anlager kann also im schlechtesten Fall (nämlich dann wenn er eine rechtzeitige Kündigung versäumt) über sein Kapital nach Ablauf der Anlagedauer gar nicht verfügen, weil es automatisch wieder für (z.B.) 5 Jahre angelegt wurde. Und vielleicht ist der dann gültige Zinssatz auch noch unterdurchschnittlich niedrig.
Es ist daher empfehlenswert, nach Abschluss eines Festgeldkontos dieses auch gleich mit Ablauf der Anlagedauer zu kündigen.

Kommen wir nun zum marktüblichen Zinssatz: Für eine 4jährige Anlage sind 4 % sicherlich gut. Auch die Finansbank mit 4,25 % Zinsen p.a. bei 5 Jahren markiert die obere Spitze der Zinstafel für Festgeld.
Eine Zinsübersicht über Festgeld findest Du in der Zeitschrift Finanstest.

Zu Deiner Frage bezüglich Arbeitslosigkeit (Ich hoffe, diese richtig verstanden zu haben, wenn nicht korrigiere mich bitte):
Die Arbeitslosenversicherung ist eine reine Versicherungsleistung. D.h. für Deine gezahlten Beiträge hast Du bei Erfüllung der Voraussetzung einen Anspruch auf Leistung. Die Sozialhilfe ist dagegen keine Versicherungsleistung sondern eine Leistung des Staates ohne Gegenleistung. Dies setzt voraus, dass Du Dein Erspartes ersteinmal aufbrauchst.
Im Falle von Arbeitslosigkeit brauchst Du Dir also über die "Zugriffsmöglichkeiten" des Staates keine Gedanken machen - es ist legitim über Erspartes zu verfügen. Der Staat muss dennoch zahlen.

Ich hoffe, Deine Fragen hinreichend beantwortet zu haben.
Falls nicht : Dazu ist ja das Forum da

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Geldanlage generell

#3 von Gelöschtes Mitglied , 06.01.2004 09:42

Hallo...

danke erstmal für die ausführliche Antwort!

Quote:

Als "alter Hase" auf dem Gebiet Tagesgeld kann ich Dir folgende Tipps geben: Du solltest ein Tagesgeldkonto bei einer Bank eröffnen, die sich durch Ihre langfristig ausgerichtete Produktpolitik auszeichnet. So nützt die alleinige Eröffnung eines hochverzinsten Tages- oder Girokonto nichts, wenn nach kurzer Zeit (z.B. 3 Monate) der Zinssatz auf ein unterdurchschnittlich niedriges Niveau gesenkt wird. Solche Angebote (Lockvogelangebote) sollte man nur dann wahrnehmen, wenn man über ein gut verzinstes Alternativprodukt (z.B. Tagesgeldkonten) bei einem anderen Anbieter verfügt. In diesem Fall kann man sein Geld jederzeit von dem Lockvogelangebot abziehen, und auf sein bestehendes, sowieso attraktiv verzinstes Konto, überweisen.
...
Wenn man nun das Girokonto aufgeben möchte, weil die anfangs hohen Zinsen schlichtweg gestrichen wurden (die meisten Girokonten werden mit 0 % verzinst), hat man sich die gesamte Arbeit eines Girokontowechsels aufgeladen (Mitteilung der neuen Girokontonummer an Arbeitgeber und andere Institutionen etc.).
Ich empfehle daher, ein Girokonto niemals aus anlagetechnischen Motiven zu eröffnen.




Stimmt schon... wobei ich das Citibank-Angebot nur wegen der VISA-Karte genutzt hätte. Meine kostenloses Girokonto bei der Postbank hätte ich für sämtlichen Geldtransfer beibehalten.
Aber ich werde wohl noch ein weiteres Tagesgeldkonto bei der DiBa eröffen... Dann hätte ich zwei (CC-Bank und DiBa).

Quote:

Zum Thema Festgeld ist folgendes zu sagen:
Es ist sicherlich nicht ratsam, sein Vermögen auf lange Zeit fest anzulegen (z.B. 10 Jahre), da man auf der einen Seite die Zinsentwicklung nicht ...
sich mit dem Thema Festgeld beschäftigt, so sollte man sich maximal auf eine Anlagedauer von 5 Jahren beschränken.
Die meisten Anbieter (Diba, Finansbank etc.) richten Ihre Produkte entsprechend aus (z.B. Extra Zinswachstum ). Vor Abschluss eines solchen Kontos sollte man jedoch vor allem die Zinsdifferenz Festgeld zu Tagesgeld prüfen:
...
auch der "Strafzins" für eine Kündigung des Festgeldes während der Anlagedauer (z.B. 0,25 % pro Quartal) ist dort definiert.
Wir halten also fest: Festgeld kann eine gute und vor allem sichere Anlageform sein; es kann jedoch mangels Flexibilität immer nur eine Beimischung sein.

Interessant ist bei Abschluss eines Festgeldkontos auch die Frage, ob die Zinsen wiederangelegt werden (Zinseszins) oder ob die Zinserträge einem Verrechnungskonto gutgeschrieben werden.

Sollte man sich einmal für ein Festgeldkonto entschieden haben, ist die rechtzeitige Kündigung selbigens von elementarer Bedeutung.
Viele Anbieter legen in ihren AGBs eine Klausel fest, nach der der ...
Kommen wir nun zum marktüblichen Zinssatz: Für eine 4jährige Anlage sind 4 % sicherlich gut. Auch die Finansbank mit 4,25 % Zinsen p.a. bei 5 Jahren markiert die obere Spitze der Zinstafel für Festgeld.
Eine Zinsübersicht über Festgeld findest Du in der Zeitschrift Finanstest.



Alles sehr interessant... So wie ich das alles sehe, ist der Zinssatz momentan sowieso relativ nierdrig, so dass eine Anlage selbest bei guten Anbietern relativ wenig bringt.
Ich muss mir außerdem noch mal die Finanztest-Zeitschriften richtig ansehen. Die "Richtwerte", bzw. aktuellen Zinssätze habe ich wohl übersehen (da sind so viele Tabellen )

Quote:

Zu Deiner Frage bezüglich Arbeitslosigkeit (Ich hoffe, diese richtig verstanden zu haben, wenn nicht korrigiere mich bitte):
Die Arbeitslosenversicherung ist eine reine Versicherungsleistung. D.h. für Deine gezahlten Beiträge hast Du bei Erfüllung der Voraussetzung einen Anspruch auf Leistung. Die Sozialhilfe ist dagegen keine Versicherungsleistung sondern eine Leistung des Staates ohne Gegenleistung. Dies setzt voraus, dass Du Dein Erspartes ersteinmal aufbrauchst.
Im Falle von Arbeitslosigkeit brauchst Du Dir also über die "Zugriffsmöglichkeiten" des Staates keine Gedanken machen - es ist legitim über Erspartes zu verfügen. Der Staat muss dennoch zahlen.



Ich habe mich nicht korekt ausgedrückt...
Ich meinte tatsächlich, dass sämtliche Bemühungen bzgl. längerfristigen Geldanlagen beim unerwarteten Eintritt in den Sozialhilfebezug für den Anleger umsonst waren. Schlimmer noch: Er ist schlechter dran als ein anderer, der sein ganzes Geld verprasselt hat und nicht an Vorsorge gedacht hat.
Zum Glück gibt es aber diese Riester-Geschichten, bei denen der Staat keine Zugriffsmöglichkeiten hat. Auch dann nicht, wenn der Anleger Sozialhilfe bekommt. Jetzt hätte mich nur interessiert, ob es längerfristige Anlageformen gibt, die ebenfalls den Zugriff des Staates ausschließen....


Ansonsten: Noch mal vielen Dank für die Informationen!

Gruß
Tobias



   

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